Sonntag, 6. Juli 2014

I trust my guitar Nr.02 (e.t.c)

Auch in der Zeit wo hier nicht soviel passiert ist, habe ich mir Zines, Singles und vlt. sogar mal n Tape gekauft. An Material das zu besprechen wäre, mangelt es also nicht und wird es wohl auch nie mangeln. Ich würde zwar nicht sagen, dass heute mehr Kultur produziert wird als in früheren Jahrzehnten, aber mehr Kultur-Produkte mit Sicherheit.
Das ist bestimmt Grund für Freud und Leid zugleich.
Falls dennoch die Frage aufkommen sollte, wieso ich erst jetzt wieder schreibe? Weil ich erst jetzt wieder Bock habe! Oder vlt auch nur die Kraft, um mir die Zeit dafür freizuschaufeln.



Vor ein paar Wochen (oder ist es schon länger her) habe ich die Band Shopping in einem Keller Club hier in Berlin gesehen. Und dieses Konzert alleine wäre sicherlich einen Artikel wert. Aber weil off-topic, hier nur die Vorhersage, dass die Band nicht mehr sehr lange in Keller Klubs spielen wird.
Neben den obligatorischen Tonträgern hat die Band auch das hier besprochene Zine verkauft.
Was naheliegend ist, weil die Gitarristin der Band, Rachel Aggs, das Zine gemacht hat.
Dass das I Trust My Guitar – Zine ganz klassisch schwarz/weiß kopiert und zudem im cut&paste Verfahren zusammen gestellt ist, hatte mich sofort angesprochen. Ich finde, das gibt’s leider viel zu selten zu sehen. Oder ich bekomm´s halt nicht mehr so mit. Das auf farbiges Papier kopiert wurde ist dem popkulturellen Inhalt durchaus angemessen. Ein paar Illustrationen von Rachel sind auch im Zine zu sehen.
Der Inhalt des Zines ist einfach zusammen zu fassen, Rachel stellt schwarz-afrikanische Musikerinnen und Musiker vor, die sie inspirieren.
Hach, das deckt sich ja perfekt mit meiner Vorliebe für „ethnologische“ Musik.
Schwerpunkt dieses Zines, sind dem Namen zum Trotz aber wie man der Einleitung entnehmen kann, vor allem elektronische Musik. Finde ich eigentlich noch besser. Weil dies von gängigen Klischees weg und zu einem aktualisierten Bild lokaler Musikkultur führt.
Ich finde zwar, dass dieser Anspruch elektronische Musik zu featuren nicht so eins zu eins umgesetzt wurde, aber die Musik die vorgestellt wird, ist schon toll.
Was nicht im Zine expliziert wird aber mit ein bisschen Wissen augenscheinlich wird, dass „wir“ nicht sehr viel über „afrikanische“ Musik bzw. zu dessen Umfeld wissen. Die gängige Informationsquellen scheinen mir, hier – wie auch allgemein – von Awesome Tapes From Africa und Honest Jons Records zu stammen. Eine weitere und durchaus reiche Quelle ist YouTube. Aber aus Videos alleine ist nicht bspw. Herkunft, Zeit, Popularität zu erschließen.
Das ist keine direkte Kritik an das Zine, weil es ja vor allem ein Zine und keine wissenschaftliche Arbeit ist. Aber die besprochenen Musiker William Onyeabor, Shangaan Electro oder auch Group Inerane sind (un-)längst im westeuropäischen Kultur- oder vlt. besser Verwertungskanon aufgenommen. Und gerade letzteres sollte als einzige Quelle nicht genügen. Ist z.B. Shangaan Electro nun eigentlich ein populärer Trend/Bewegung in Süd Afrika oder das singuläre Produkt eines einzigen Produzenten (Nozinja)? Oder ist die Musikszene dort so aufgestellt, dass das ohnehin zusammenfällt?
Wie bereits angedeutet, es ist schade dass diese Fragen im Zine nicht beantwortet werden aber verwunderlich ist dies ganz und gar nicht.
Wer das irgendwie im Gedächtnis behält und sich wenig oder gar nicht mit „afrikanischer“ Musik auskennt, für den ist das Zine auf jeden Fall etwas. Da dies auch immer noch auf mich zutrifft, habe ich doch ein paar neue Sachen entdecken können.
Übrigens kann man sich auch direkt auf dem Blog zum Zine informieren. Und über Fürsprache, Lob und vlt. auch Widerspruch ist Rachel Aggs sehr erfreut, wenn ich sie da richtig verstanden habe.

3€
22. Seiten 
zu beziehen über rache.aggs[at]gmail[dot]com

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